Die Pandemie – ein Stellvertreterkrieg?

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Es gibt ein grosses Problem in dieser unserer Welt des 21. Jahrhunderts: Die Entwicklung von Klima und Weltbevölkerung. Beides läuft aus dem Ruder. Oder es ist schon längst entgleist. Man weiss es wohl erst in hundert Jahren. Auf jeden Fall ist das, was unsereins (also die jetzt Lebenden) auf diesem Planeten an Korrekturen zu bewerkstelligen hätten, so kolossal und überwältigend, dass es kaum jemanden gibt, der sich nüchtern dem Thema stellt. Es ist zur übermächtigen Glaubensfrage avanciert. Gut also, dass es gerade kleinere Probleme zu lösen gibt – etwa eine Pandemie: also das Auftauchen eines neuen Grippe-Erregers, der uns (vielleicht) an Leib und Leben bedroht.  Wirklich schlimm – und echt greifbar, das Problem.

Bevor wir bereits die Schublade der Weltverschwörer und Covidioten auftun, hier ein kleines Bekenntnis: Ja, wir nehmen das neue Corona-Virus durchaus Ernst und tun im zivilen Alltag auch alles dafür, dass es unter Kontrolle bleibt und ja: Sars-CoV-2 und Covid-19 sind durchaus reale Gefahren für ältere und schwache Menschen, mitunter auch für andere. Die Krankheitsverläufe, die dieser Erreger verursacht, sind teilweise echt bedrohlich. Und ja, vorübergehend werden die Spitäler etwas mehr als das sonst so perfekt planbare Soll an Arbeit zu bewältigen haben. Aber wir meinen auch: Angesichts dessen, was uns noch ins Haus steht, ist der gerade drohende Kollaps eines (ohnehin kranken) Gesundheitssystems (das ja auch ein Business ist!) ein Pappenstiel.

Machen wir uns also nichts vor: Die Bewältigung der Corona-Krise ist nur ein Stellvertreter-Krieg, auf den sich die Politik und Medien jetzt durchaus dankbar stürzen. Denn dieses in seinen Dimensionen und biologischen Mechanik noch halbwegs überschaubare Problem lenkt ab von den dahinter liegenden, viel grösseren Themen. Die tägliche, multimediale Beschäftigung mit dem vielstimmigen Covid-Panikorchester verdrängt für einen Moment die echten Herausforderungen, mit denen wir noch zu kämpfen haben werden. Gegen das, was kommt, ist Corona nur ein Vorspiel – mit einigen (wohl doch zu vielen!) Bauernopfern.

Die Frage, wo und warum wir wie konsequent Masken zu tragen haben, die vielleicht etwas nützen (vielleicht auch nicht, wenn man die umliegenden Ländern mit sehr viel rigideren Masken-Regimes anschaut), ist daher fast ein Lappalie; eine Beiläufigkeit und Fussnote, die in hundert Jahren bereits keine Erwähnung mehr findet. Ob man Restaurants und Bars schliessen soll? Hmmm, vielleicht… obwohl das Problem ja bekanntlich im Privaten liegt – und dort geht die Post dann halt umso mehr ab. Menschen müssen halt Dampf ablassen. Und das grössere Thema bleibt derweil unangetastet.

Ich bin kein Epidemiologie, kein Virologe und kein Politologe, sondern nur ein kleiner, macht- und wohl auch bedeutungsloser Zeitgeist-Beobachter. Aus dem, was ist, habe ich die letzten Jahren schon etliche Male Theorien dazu abgeleitet, was in nächster Zukunft sein könnte. Die Corona-Pandemie, derzeit auf dem (vorläufigen) Höhepunkt ihrer zweiten Eskalations-Stufe, wird uns allen ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Weil sie (die meisten von) uns verunsichert, einschränkt und existenziell bedroht. Aber sie wird für den Lauf der Welt letztlich unbedeutend bleiben. Weil: Es gibt grössere Themen, die gerade liegen bleiben und sich umso wuchtiger auftürmen.

Ich sage nicht, dass wir jetzt nicht alle brav die Regeln befolgen sollen, welche die Regierungen für uns bereit halten. Wir sollten alle versuchen, ein möglichst grosses Stück zur Bewältigung des Problems beizutragen.  Aber eines ärgert mich trotzdem sehr: Dass der Fokus fürs Ganze total verschoben ist. Darum: Jetzt keine weitere Aufregung und Eskalation. Sparen wir uns die Nerven. Es kommen noch genug riesige Monster auf uns zu.

 

 

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