Digital Detox (4/40)

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Gar nicht so einfach, das langsame Umstellen auf einen weniger von digitalen Gadgets getriebenen Lebenswandel. Es dauert zum Glück noch ein bisschen, vier von vierzig Wochen sind um, und es sind kleine Schritte, die man macht, auf dem Weg zurück vom Zombie zum Menschen. Vier neue kleine Episödchen.

Erstens: Ich halte immer, wenn ich irgendwo warte, also auf den Zug oder das Tram, das Smartphone ganz bewusst im Hosensack. Man kann sich sehr gut differenzieren so, man ist heute praktisch der einzige, der nicht auf ein Screen starrt. Es ist lustig, anderen zuzuschauen, wie das Leben an ihnen vorbeizieht, während sie versuchen, ein bisschen digitale Spannung abzugreifen.

Zweitens: Das Facebook-Freunde entgiften geht auf dem iPad besser als auf dem Laptop. Denn im Laptop-Browser erscheinen die Freunde in der Reihenfolge der Interaktion, die man mit ihnen hat, d.h. man muss sehr lange scrollen, bis man die inaktiven und langweiligen Figuren findet, die man getrost löschen kann. Auf dem iPad erscheinen alle „Freunde“ in alphabetischer Reihenfolge, und dabei entdeckt man viel mehr Kippkandidaten, als man denkt. Das wöchentliche Pensum von 25 Löschungen ist so einfach zu schaffen.

Drittens: Als Symbol meines langen Digital-Detox.-Wegs eine reizende neue Uhr gekauft, die Slow Watch mit Schweizer Quarzwerk. Sie hat nur einen Zeiger und zeigt auf dem Zifferblatt einen ganzen Tag mit 24 Stunden an. Der Zeiger geht sehr langsam, und man kann auch nur die ungefähre Zeit (plusminus 5 Minuten) abschätzen, aber das reicht ja vollkommen. Man nimmt sich präventiv etwas mehr Zeit, wenn man nicht so genau weiss, ob man sonst zu spät kommt. Ich muss mich noch daran gewöhnen, aber die Idee gefällt mir, dass der Tag 24 Stunden am Stück hat, nicht 2 x 12 Stunden.

Viertens: Auf Initiative der Parfümerie OSswald in Zürich ein nettes Gespräch gehabt mit dem französischen Parfumeur Francis Kurkdjian, der zu den besten seines Fachs gehört. Das Interview erscheint dieser Tage in der „Lebensart“ von NZZ.ch. Zum Schluss des Gesprächs gab es einen Moment, in dem wir in guter Übereinstimmung über das Problem der digitalen Permanenz sprachen. Dieser Teil hat in der redigierten Fassung des Artikels keinen Platz, weil er keinen direkten Bezug zum Thema Parfumerie hat. Darum will ich Kurkdjians Antwort auf die Frage, wie seine „digitalen Suchtmuster“ aussehen, hier veröffentlichen: „Die neuen digitalen Werkzeuge wie Smartphones haben uns Handlungsfreiräume gegeben, gleichzeitig haben wir die Zeit dadurch derart komprimiert, dass wir fast den Verstand verlieren. Es ist doch tragisch, wenn man an einer Dinnerparty sitzt und alle auf ihre Bildschirme schauen. Da kann man ja gleich zuhause eine Pizza bestellen? Wir sind abhängig. Aber vielleicht ist das die Zukunft der Menschheit, dass wir gleichzeitig verbunden und komplett entkoppelt sind. Das ist schizophren, aber vielleicht unser Schicksal.“

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1 Comment

  • Antworten Oktober 7, 2014

    Florian Meier

    Hallo Jeroen
    Ich hab das Gefühl, dass ich das Smartphone viel eher nicht hervornehme, wenns in der Tasche ist und nicht in den Hosen. Und die Uhr find ich cool, vielleicht nicht ganz studiumtauglich aber definitiv für die Freizeit :)

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