We like these brothers

DSC_9373

Ich bin heute ganz schön weit quer durch die Schweiz gefahren, um einem der seltsamsten und kuriosesten Events beizuwohnen, die ich je erlebt habe: Eine Waschküchen-Vernissage in Lausanne. Gerufen hatten die vier Gebrüder Daniel und Markus Freitag (die Taschenmacher, sie waren vor kurzem bereits einmal Thema hier) sowie das St. Galler Künstlerzwillingspaar Frank und Patrik Riklin vom „Atelier für Sonderaufgaben“. Die vier arbeiten seit geraumer Zeit am Projekt „Ad Absurdum“, dem bis Ende Februar eine Ausstellung im MUDAC in Lausanne gewidmet war. Dabei geht es um eine eigentlich simple Idee: Aus alten Freitagtaschen wird eine Lastwagenplane gemacht – also die Umkehr des Freitag-Prinzips.

DSC_9342

 

Ich würde für keine Luxusmarke der Welt und keine noch so schicke Schau an einem Sonntag drei Stunden lang in die Romandie reisen, aber für diese Jungs musste ich es tun. Es nahm mich Wunder, was diese vier Herren sich ausgedacht hatten, und es war noch bizarrer und unorthodoxer, als ich es erwartet hatte. Die Waschküchen-Ausstellung im Keller eines Mietshauses war eine komplette Persiflage auf das Ritual der Vernissage. Das beginnt beim Namen: Die Vernissage war nämlich eigentlich die Finissage des „Ad Absurdum“-Projekts, die Riklins nannten es aber eine „Beginnissage“. Es wurde ein Buch vorgestellt, das in vielen Fotos den Projektverlauf des Freitag x Riklin-Abenteuers dokumentiert.

 

Man stellte sich in der spätwinterlichen Kälte in die Schlange des Mietshauses an der Avenue de la Harpe in Lausanne, um dann in kleinen Gruppen in den Keller vorgelassen zu werden, wo an Wäscheleinen hängend und an Sicherungskästen geklebt die Seiten des Buches hingen. Daniel Freitag, der jüngere der beiden Taschenmacher, händigte jedem Besucher dazu einen Plastikbecher mit Leitungswasser aus. Es gab noch nicht einmal billigen, lauwarmen Weisswein! Härter und eindeutiger kann man den ganzen Kunstzirkus nicht auf die Schippe nehmen.

DSC_9401

 

Das Buch, das nun als Abschluss des Projektes übrig bleibt, ist – wie immer bei Freitag – ein sehr schön gemachtes Werk, das auseinander geschraubt werden kann, um diese Ausstellung im eigenen Keller oder Estrich nachzustellen. Es schliessen sich Kreise, und das war immer die Idee der Freitags. Ich bin beeindruckt. Wenngleich immer noch ein bisschen irritiert ob der unverfrorenen Ernsthaftigkeit, mit der die vier Provokateure die Meute in den Keller gelockt haben. Solche Fans muss man auch erst einmal kultivieren …

 

Be first to comment