We walk camouflaged

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Gestern mittag auf SRF 3 – der SRF-3-Stilsheriff war mit einer leicht auffälligen Jacke im Camouflage-Muster ins Studio gekommen. Und stellte dabei fest: Was uns mitunter völlig normal und fast schon ein bisschen vorbei scheint, ist für Otto Normalo noch ganz verwegen. Camouflage-Muster? Ui, ui – das überfordert die meisten dann doch eher. Denn viele Menschen – gerade ältere Generationen und die Bewohner ländlicher Regionen … assoziieren mit dem Muster ganz unmissverständlich das Militär. Der Stil-Tipp vom 8. April war denn auch geprägt von viel Skepsis.

Dabei ist das Camo-Muster ja schon lange nicht mehr nur im Militär zu finden. Es geistert schon seit Jahrzehnten in der Mode herum. Als bedruckten Stoff gibt es Camouflage-Muster seit dem ersten Weltkrieg. Es waren die Franzosen, die den Stoff entwickelten. Zumindest kurzfristig hatten sie damit einen Vorteil im Gelände. Andere Länder haben das dann schnell abgeschaut, und so wurde es zum globalen Standard für Kampftruppen. Die deutschen haben den so genannten «Flecktarn» dann später in alle Richtungen weiterentwickelt.

Der Stildoktor schwafelt vor dem GRIS-Publikum.

Der Stildoktor schwafelt vor dem GRIS-Publikum.

Relativ bald, nachdem die Franzosen um 1915 die ersten Camo-Stoffe auf den Schlachtfeldern im Einsatz hatten, gab es in Paris und London schon Maskenbälle, bei dem der Stoff von Couturiers zu Kostümen verarbeitet wurde. So richtig in Mode kamen die Camouflage-Muster aber erst mit der Friedensbewegung der 60er-Jahre, welche sich der militärischen Motive bemächtigte und sie umzudeuten versuchte.

Zu den Marken oder Designern, welche das Thema früh aufgriffen, gehörten in den Seventies Marimekko aus Finnland oder der Franzose Jean-Charles de Castelbajac, später dann, inspiriert von Andy Warhol, der das Muster auch wiederholt malte, auch 80’s-Designer wie Stephen Sprouse oder Franco Moschino. Mit John Galliano bekam das Muster dann in den 90’s bei Dior den Adelsschlag der Haute Couture.

Heute gibt es tausende von Varianten von Camouflage, und die spannendsten sind eigentlich gar keine Tarnmuster mehr, sondern bewirken im zivilen Einsatz eben genau das Gegenteil:sie fallen auf. Es gibt inzwischen Camouflage-Muster, die Tierherden darstellen, Varianten in Pink und Knallrot, und das Londoner Schuhlabel Jimmy Choo hat sogar ein «Porno-Camo» im Angebot, dessen Flecken beim genauen Hinschauen aufreizende weibliche Silhouetten zeigen.

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