Sonntagsoutfit: Lino und Andreas, St. Gallen

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Es ist nun doch schon eine Weile her, seit ich das Foto von Lino Rohner und Andreas Kölbener in St. Gallen schoss – die gelben Blätter an den Bäumen hinter ihnen verraten es. Ich habe das Bild aber dennoch aufbewahrt, weil mir die beiden Typen gefallen. Und heute Sonntag, 10. Januar ist die Geschichte nun endlich erschienen. Das Wetter ist Mitte Januar eigentlich kaum anders als damals, Mitte Oktober – nämlich grau und etwa 8 Grad kalt. Heute ist es einfach noch recht feucht dazu, und das war es gottlob nicht, als ich das Foto in St. Gallen machte.

Hier kommt der Text zu dem Bild – heute steht alles auf ansprechendem Papier in der „NZZ am Sonntag“, und zwar im „Stil“-Teil, der sich darüber hinaus dem Schwerpunktthema „Kreuzfahrten“ widmet.

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Mode ist wie Musik – sie sagt etwas über den Menschen, der sie mag. Lino und Andreas haben knappe Budgets, aber erfrischend viel Stilbewusstsein.

Normcore, vor einem Jahr als der angeblich der neue Look unserer Zeit angekündigt, ist wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Zwar ziehen sich viele Menschen tatsächlich bis zur Unbarmherzigkeit banal an, aber als Leitmotiv ist die Normalität doch nicht prickelnd genug. Und wer genau hinschaut, der entdeckt in dem Mainstream feine Abweichungen, die Hoffnung machen. Auch unter den Jugendlichen, denen man diese fundamental desinteressierte Normalo-Mode andichtete.

Da wären etwa Andreas Kölbener (18) und Lino Rohner (20), die ich an einem Sonntagnachmittag in St. Gallen traf. Die beiden kennen sich seit dem Sommer 2003, also seit Kindertagen. Sie sind beste Freunde. Lino und Andreas waren so etwas wie eine ideale Momentaufnahme von Jugendlichkeit. Ihre Statur war schon maskulin, aber in ihren Gesichtern blitzte noch etwas Jungenhaftes. Ausserdem waren die beiden gut angezogen – entspannt, aber gekonnt. Und nichts von dem, was sie trugen, war besonders teuer, im Gegenteil: Das Outfit jedes einzelnen dürfte kaum mehr als 500 Franken gekostet haben.

Lino Rohner (rechts), der Sonnyboy mit den goldenen Locken, kommt aus Gais, verbringt aber die meiste Zeit in St. Gallen, wie so viele Jugendliche aus seiner Region. Er hat die Matura gemacht und ist seither ohne Job, aber nicht ohne Ziele: Er hat eine Beziehung und macht leidenschaftlich gerne Musik. Lino spielt Gitarre, Klavier und Schlagzeug – eine ganze Band in Personalunion. Er trug eine doppelreihige Jacke von H&M, einen Schal von Tucano, Hosen von Levi’s und Boots von Ecco – die einzigen akzeptablen Schuhe, die er zur Zeit hat, wie er lachend zugab.

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Der dunkelhaarige Andreas Kölbener ist zwei Jahre jünger – was man nicht auf Anhieb sieht. Er kommt aus Appenzell, ist angehender Zimmermann und zur Zeit Single. Auch er hat eine Passion für Musik, und auch bei ihm sind es die analogen Instrumente bzw. die alten Zeiten, die es ihm angetan haben – Andreas spielt Saxophon, am liebsten Jazz. Sein Field Jacket war von Lewis, die Hose hat er bei Esprit gekauft und die Schuhe bei Botty. Woher der auffällig karierte Schal und der dunkelgraue Pullover waren, konnte er nicht mehr eindeutig sagen, „vielleicht auch aus dem Brockenhaus.“

Die Outfits von Lino Rohner und Andreas Kölbener waren nicht spektakulär oder schräg, doch die Sachen kleideten die jungen Männer vorteilhaft und typgerecht. Ihre Looks waren von einem eigenen Verständnis für Stil und dem Willen zur Schönheit beseelt. Und beide meinten: „Wir mögen Mode und ziehen uns gerne gut an. Denn Kleidung ist wie Musik: Sie sagt etwas über Dich aus.“ Ein gutes Credo für zwei hoffentlich steile Karrieren.

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