Sonntagsoutfit: Yannic, Zürich

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Es waren der sonnigen Sonntag noch nicht viele in diesem Sommer, aber an diesem einen, eher Anfang Juni, traf ich am Limmatquai einen jungen Mann, dessen Stilwillen mich beeindruckte. Yannic Meichtry ist erst 16 Jahre jung, doch er hat Spass an klassischer Kleidung … Etwas, das mir seltener erscheint als alte Menschen auf Sakteboards. Am letzten Sonntag, 26. Juni ist sein Porträt in der „NZZ am Sonntag“ erschienen. Hier kommt der Text.

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Es kommt nicht mehr oft vor, dass man junge Menschen in klassischer Kleidung trifft – und wenn es doch mal geschieht, sehen die Kids in ihren Anzügen oft seltsam verkleidet aus. Als wären sie Kindersoldaten. Sakkos und Bundfalten korrespondieren einfach nicht gut mit Hiphop, Youtube und Instagram. Schade eigentlich. Denn gerade an einem jungen, fitten Körper sieht ein Anzug umso geschliffener aus – vorausgesetzt, dass man ihn mit Rückgrat trägt. Denn zu einem Anzug gehört auch eine gewisse Haltung, die anders ist als bei Hoodies und Shorts. Ein guter Anzug richtet den Mann förmlich auf.

An einem der wenigen schönen Sonntagmittage dieses Frühsommers radelte ich dem Zürcher Limmatquai entlang und erspähte auf der Rudolf-Brun-Brücke einen hochgewachsenen jungen Mann, der auffallend anders gekleidet war als die vielen Freizeitmenschen und Touristen, die dort ihre Selfies vor den berühmten Zürcher Kirchtürmen schiessen. Der junge Mann trug einen dreiteiligen Anzug (mit Weste) – etwas, das man auch an reiferen Herren nicht mehr oft sieht!

Der Name des jungen Dandys ist Yannic Meichtry, er ist 16 Jahre jung und kommt aus Dietlikon. Er war mit seiner Familie in Zürich, um seine Konfirmation zu feiern – sie spazierten gerade zum Zunfthaus zur Zimmerleuten, wo das Essen stattfinden würde. Meichtry hat gerade die obligatorische Sekundarschule hinter sich und geht demnächst aufs Gymnasium. „Ich weiss noch nicht, was nach diesen vier Jahren kommt“, sagt der junge Mann, als ich ihn auf berufliche Perspektiven anspreche.

Etwas dezidierter ist er bezüglich seiner Garderobe. Nein, lachte Yannic Meichtry, das sei keineswegs das erste Mal, dass er einen „richtigen“ Anzug trage, er habe nämlich Spass an klassischer Kleidung: „Das ist schon mein Look, vielleicht nicht ganz so schick wie heute, aber mich interessieren schöne und elegante Kleider.“ Tatsächlich strahlte Meichtry mit seiner dunklen Ray-Ban-Brille eine klassische Eleganz vergangener Tage aus, ein bisschen wie Buddy Holly.

Den dreiteiligen, schlanken Anzug aus fein kariertem Tweed hat Yannic Meichtry bei Suit Supply in Zürich machen lassen – das Hemd, die Krawatte und die Schuhe (braune Double Monks) sind vom gleichen Label. Die Hosen waren ausgesprochen kurz geschnitten – früher hätte man „Hochwasser!“ gerufen, aber heute ist das so in Mode. Yannic Meichtry weiss das – seine Kumpels aber oft nicht. „Dann gibt es vielleicht schon mal doofe Kommentare, aber das nehme ich locker hin“, grinst er gelassen.

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1 Comment

  • Antworten Juli 16, 2016

    Marc Schmid

    Ein wirklich tolles Outfit! Die Struktur des Anzugstoffs kommt schon auf den Bildern sehr gut zur Geltung. Einzig der Krawattenknopf finde ich etwas gar wuchtig zu der schmalen Silhouette des jungen Mannes.

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