Heute an siebten Mode Suisse im Kongresshaus Zürich teilgenommen, einer Plattform für neues Schweizer Modeschaffen, die wir an dieser Stelle schon verschiedentlich beklatscht haben. Mode Suisse hat sich in relativ kurzer Zeit als wichtigste Schweizer Mode-Bühne etabliert und überrascht jede Saison wieder mit neuen Namen, aber ebenso mit „Comebacks“ von bekannten Exponenten der Schweizer Modewelt. Der Mix der Mode Suisse ist oft spannend, der Rahmen immer professionell, die Orte zumeist besonders. Wir erinnern uns an grossartige Schauen mit Heinrich Brambilla, Christa de Carouge, En Soie, Sandro Marzo und anderen gestandenen oder jungen Talenten des Landes. Dank der Unterstützung der Migros, des Verband Swiss Textiles und anderer diskreter Supporter gedeiht das Format zusehends.
Lange war nicht klar, wo die siebte Mode Suisse stattfinden würde. Warum, bleibt das Geheimnis des Veranstalters. Schliesslich war es, wenig aufregend, das Kongresshaus, wo sonst alljährlich auch die „Blickfang“ stattfindet. Veranstalter Yannick Aellen war es auch, der durchgesetzt hat, dass der Event erstmals nicht wie sonst an einem Wochenende oder abends, sondern notabene an einem Montagmittag stattfand. Man habe diese Entscheidung getroffen, weil man bewusst ein professionelles Publikum ansprechen und den Einkäufern eine Chance geben wollte, neue Designer zu treffen, hat mir Yannick Aellen dazu erzählt. Ob es richtig war? Die Reihen waren weniger gut besetzt als auch schon.
Jetzt wird’s langsam knifflig, denn nach zwei einleitenden Absätzen, in denen wir der zentralen Frage ausgewichen sind, nämlich: „Wie war es denn?“, sollten wir zum Thema kommen. Also, wie sagen wir es denn nun, ohne hier Befindlichkeiten zu verletzen und in den Ruf zu geraten, dieser durch und durch guten Sache nicht das Maximum an Goodwill entgegen zu bringen? Das tun wir nämlich, siehe hier und hier und hier.
Also: das, was wir gesehen haben – nämlich den ersten von zwei Teilen – war so mittel. Was zu grossen Teilen am Ort lag, diesem grausamen Zürcher Kongresshaus mit seiner harten 70’s-Ausstattung und Beleuchtung. Diesen Ort kann man sich auch mit viel Abstraktionswillen und Ironie nicht schöndenken, und als Kulisse einer Modenschau verschluckt er jeden Ansatz von Anmut. Es ist ein irgendwie zwar extremer, aber doch unschöner Ort, und daran ändern auch eine Menge Topfpflanzen und trister Gummibäume nicht viel. Die Leuchter, der Boden, die Akustik-Paneele an der Decke, das gelbe Licht, die unelegante Toiletten-Signaletik: Alles kollidiert mit dem Wunsch, sich entspannt der Ästhetik hinzugeben.
Die Kollektionen, die wir sahen, waren zumeist auch grad so mittel. Dazu kam eine eher langatmige Inszenierung: Zu viel schleppende Depro-Musik, zu lange Durchgänge pro Designer, zu umständlich das Defilieren auf verschiedenen Etagen des Kongresshaus-Foyers. Man musste sich wirklich durch das Programm sitzen. Einige willkürlich abgefragte Feedbacks beim Chit-chat nach der Show zeigten, dass es nicht nur uns so ging.
Doch es gab ein paar Highlights, welche den Weg an die Mode Suisse lohnten. Matchwinner war in unseren Augen der Berner Adrian Reber, der eine sehr subtile, technisch aufwändige und farblich stimmige Männerkollektion zeigte. Die Strickwaren sind wunderbar, die rezyklierten Pelze zeitgeistig. Reber war völlig zu recht nach der Show vom Kameras umschwärmt. Toll fanden wir auch die simplen, grosszügigen Volumen von Claudia Bertini, die wir hier auch schon eher zu unseren Favoritinnen erklärt hatten. Sie schneidet eine aktuelle, entspannt-feminine Mode, deren Qualitäten aber nicht in jedem Outfit auf dem Laufsteg auch sofort erkennbar waren.












Beobachten muss man auch das Duo Huber Egloff, die sich in dieser Saison einen wichtigen Schritt weiter entwickelt haben und erstmals auch „realistischere“ Silhouetten zeigten. Die beiden verreisen dieser Tage gleich nach Paris, um an der Première Vision die Stoffe für die nächste Saison einzukaufen. Ausserdem muss man natürlich den Lokalmatador Julian Zigerli erwähnen, dessen Ideen stiller und bedachter wirkten wie zuletzt. Vielleicht wird auch er langsam erwachsen? Bei Sara Vidas, die eine wunderbare und liebenswerte Exotin in diesem Gewerbe ist, fehlte leider der Witz in der Inszenierung, der die teils humorvollen Looks verständlich gemacht hätte.
Fazit: Das war kein neuer Höhepunkt. Doch wir rechnen damit, dass die Mode Suisse nächste Saison dann einfach zwei Riesen-Sätze nach vorne macht, um ihren exzellenten Ruf zu verteidigen. HIER gibt es noch einen vertieften Text dazu, der bei der NZZ Lebensart erschienen ist.
Und hier noch ein paar liebenswerte Gesichter von dem Mittag im Kongresshaus …